Kreuzbandriss im Knie richtig Nachbehandeln

Ansicht eines Kniegelenkes  von oben

Der vordere Kreuzbandriss im Knie ( VKB/ ACL Ruptur) zählt zu einer der häufigsten Verletzungen im Sport. Im Rahmen der Nachbehandlung gibt es auf beiden Seiten, Patient und Physiotherapeut, häufig Unsicherheiten in der Frage der richtigen Belastungsintensität. Eine zu aggressive oder zu schonende Therapie kann weitreichende negative Folgen für den betroffenen Sportler haben. Nachfolgend habe ich einen exemplarischen Ablauf der Kreuzband Rehabilitation beschrieben. 

Die Nachbehandlung

Die Nachbehandlung der vorderen Kreuzbandruptur richtet sich nach dem Wundheilungsverlauf. Diesen Zeitverlauf bezeichnet man hier als Ligamentisierung, welche in drei Phasen unterteilt wird. Diese werden wie folgt benannt: Entzündungsphase, frühe Ligamentisierung und späte Ligamentisierung.

Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine ausführliche Befundaufnahme. Hier bieten sich Assessments wie die Temperaturmessmethode, die Oberschenkelumfangsmessung, der Time up and go und der Knee outcome survey (KOS) an.

 

Entzündungsphase

Die Entzündungsphase ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig und dauert ca. 3-5 Tage. Dieser Zeitraum ist allerdings vom Typus des Patienten abhängig. Als Indikator sind hier die Stärke und das Ausmaß der Entzündungsreaktion zu sehen. Ein gutes Assessment ist die Temperaturmessung mittels Oberflächenthermometer. Hier sind die Differenzwerte wichtig, da sie ein genaueres Bild über den Heilungsverlauf geben können.

 

 Für einen normalen Heilungsverlauf spricht:

Temperaturdifferenz im Seitenvergleich nicht über 2 Grad Celsius

Anstieg der Temperatur nach Belastung nicht über 1 Grad Celsius

Temperaturdifferenz reduziert sich in der ersten Woche

Der Schmerz tritt nur noch nach mechanischer Belastung auf (kein Nacht-/ Dauerschmerz mehr) (vgl. Diemer und Sutor 2006, S.33)

 

Bei einer normalen Entzündungsreaktion steht das Wundmanagement im Vordergrund. Mit Medikamenten und Eis sollte vorsichtig umgegangen werden, da diese den Heilungsverlauf verzögern können. Weitere Maßnahmen sind zum Beispiel:

Vorsichtige schmerzfreie Mobilisation in Extension und Flexion

Patellamobilisation aktiv nach cranial und passiv nach medial

Lymphdrainage im Wundgebiet

Die Behandlung von Nachbargelenken

 

Frühe Ligamentisierung < 8. Woche

Diese Phase betrifft die ersten 8 Wochen nach der Operation. Sie beginnt zeitnah mit dem Beginn der Entzündungsphase. Der Übergang von der Entzündungsphase ist vom Absinken der Temperaturdifferenz gezeichnet.

 

Maßnahmen in dieser Phase:

Verbessern der Belastungsfähigkeit hin zur Vollbelastung

Verbessern der Beweglichkeit mit dem Ziel der endgradigen Extension und der Flexion auf 110° in den ersten drei Wochen. Es wird unter der Schmerzgrenze mobilisiert. Zusätzlich soll der Patient Automobilisationen in Extension und Flexion durchführen.

 

Verbessern der Koordination

Anbahnen der Quadrizepsaktivität in der offenen Kette

Aktivierung des m. vastus medialis longus et. obliquus (Die beste Aktivierung des Muskels wird bei 0°-45° Flexion unter gleichzeitiger Adduktion im Hüftgelenk erreicht. Eine Rotation im Hüftgelenk hat keinen Effekt auf den VMO/VML (Kappeler und Egger 2009))

Schulung der Kinästhetik > Winkelabweichungen im Seitenvergleich sollten nicht mehr als 2°-5° aufweisen. Messungen/ Training mittels Zielscheibe und Laserpointer

Statische Balance erarbeiten

Beinachse stabilisieren

Verschiedene Ausgangsstellungen, Unterlagen, Störmanöver (Augen, Kopf, Bewegung der Extremitäten)

Durchführung des Star Excursion Testes oder Y Balance Test

Erarbeiten der Mantelspannung >Erlernen der hüftdominanten Kniebeuge

Training der Fuß- und Hüftmuskulatur

Training der Grundlagenausdauer mittels Ergometer oder Walking

Wegen der hohen Kompressionskräfte findet kein Krafttraining statt

 

Späte Ligamentisierung > 8. Woche

Diese Phase beginnt ca. mit dem Ende der achten Woche. Das Training wird um folgende Parameter angepasst:

Intensität der Mobilisation wird progressiv gesteigert. Dehnschmerzen dürfen auftreten. Ein Extensionsdefizit sollte nicht mehr bestehen. Bei Komplikationen ist an eine Arthrofibrose oder einen Fehler beim Bohrkanal zu denken.

Das Koordinationstraining wird gesteigert. Es kommen nun explosive Übungen dazu.

Sprünge in der Sagittalebene, Frontalebene und zuletzt in der Transversalebene

Üben der Landung

Absprung beidbeinig, Landung einbeinig

Absprung einbeinig, Landung einbeinig

Zusätzliche Störreize

Wichtig ist die Qualität der Ausführung, nicht die Weite oder Höhe

Durchführung von Sprungparcours

Einsatz instabiler Unterlagen

Ein Krafttraining  sollte alle Kraftqualitäten berücksichtigen

Bei Sportlern und jüngeren Patienten können zum Testen der Sportfähigkeit 8-ter Sprünge, Einbeinweitsprünge, Zweibeinweitsprünge und Up Down Sprünge durchgeführt werden

Zum Abbau von Ängsten bietet sich mentales Training an

 

Als Sportphysiotherapeut kann ich dich optimal bei deiner Kreuzbandbehandlung unterstützen. Ich mache dich Fit für Alltag und Sport. Schreib mir einfach und vereinbare einen Termin mit mir!

 

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

Sutor,V. Diemer,F. (2006) Praxis der medizinischen Trainingstherapie  Stuttgart: Thieme Verlag

 Kappeler, L. Egger, E. (2009) Diplomarbeit, der Vastus medialis, ein Mysterium.

 

http://www.pflegeportal.ch/pflegeportal/pub/DA_Kappeler_Egger_M_vastus_medialis_1793_1.pdf Abruf 22.08.12

 

Sutor,V. Diemer,F.  (2009) Therapie nach operativer Versorgung des vorderen Kreuzbandes o.O. Physiotherapie med. Ausgabe drei 2009

 

AMWF online, Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) 2008, Leitlinie „vordere Kreuzbandruptur“http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012005l_S1_Vordere_Kreuzbandruptur_2008.pdf, Abruf: 22.08.12

 

Von Henry Vandyke Carter - Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See "Buch" section below)Bartleby.com: Gray's Anatomy, Tafel 349, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=108271